Das Moor und seine Bedeutung für den Klimawandel

Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein

Welche Bedeutung haben Moore für unser Klima?

Moorböden haben in der Klimadebatte eine weltweite Bedeutung als Kohlenstoffspeicher und Kohlenstoff-Senke. Obwohl Moorböden weltweit auf nur etwa 400 Millionen ha beziehungsweise etwa 3 % der Landoberfläche vorkommen, speichern sie etwa 450 bis 500 Gt (Gigatonnen) Kohlenstoff in Form von Torf in ihren Böden (JOOSTEN & CLARKE 2002, BRIDGHAM et al. 2006, PARISH et al. 2008). Jährlich werden 150-250 Mio. Tonnen CO2 der Atmosphäre durch Moore entzogen. Intakte Moore wirken damit als sogenannte Kohlenstoffsenke.

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Tonnen jährliche CO² Aufnahme durch Moore
Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein

Das Moor als Kohlenstoffspeicher: Wie funktioniert das?

Das von den im Moor vorkommenden Pflanzen aufgenommene CO2, wird nach ihrem Absterben im Torf gebunden. Im Laufe von Jahrtausende haben sich Moore so zu den größten und effektivsten Kohlenstoffspeichern auf der gesammten Erde entwickelt. Voraussetzung dafür ist ein intakter Wasserhaushalt in den Mooren. Obwohl sie nur 3 % der terrestrischen Erdfläche bedecken, sind in den Torfschichten ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs gebunden und damit etwa doppelt so viel wie in der Biomasse aller Wälder weltweit.

Was ist das Problem?

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden und der damit verbundene Verlust der Funktion einer Kohlenstoffsenke stellt eine wichtige Quelle für Treibhausgase dar. Durch die für die landwirtschaftliche Nutzung notwendige Entwässerung, gelangt Luft in den Moorkörper und als Folge entweichen im Torf gebundene Treibhausgase. Zudem verlieren entwässerte Moore ihre Fähigkeit zur Wasserspeicherung. Die Emission von Treibhausgasen, v.a. Kohlendioxid, Methan und Lachgas, tragen zum Klimawandel bei, der wiederum zusätzlich zu einer verstärkten Moordegradation führt. Also ein Teufelskreislauf.

Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein

Teufelskreislauf: Folgen des Klimawandels für die Moore

Als Folge des Klimawandels sind weniger Niederschläge in den Sommermonaten bei zugleich höheren Temperaturen zu erwarten. Dadurch werden verstärkt Trockenheitsphasen auftreten, die die Moorentwässerung und die damit verbundene Moordegradation (Moorzersetzung und Bodensackung) begünstigen. Da degradierte Moore ihre Wasserspeicherfähigkeit dauerhaft verlieren können, können sie Starkregen und die damit verbundenen Hochwasserereignisse nicht mehr abpuffern. Darüber hinaus beherbergen Moore eine Vielzahl seltener und hochspezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Diese einzigartigen Lebensgemeinschaften sind eng an den Lebensraum Moor gebunden und haben außerhalb der Moore keine Überlebenschance.  

Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein
Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein

Teufelskreislauf: Folgen der Moordegration für das Klima

Entwässerte und landwirtschaftlich genutzte Moore tragen intensiv zur Emission von klimarelevanten Gasen bei. Entscheidend für die Art und Menge der freigesetzten Gase sind der Wasserstand, die Torfart und die Düngung der Moore. Entwässerte Moore emittieren (=umweltgefährdende Stoffe in die Luft ablassen) v.a. Kohlendioxid. Aus gedüngten Mooren und aus entwässerten und natürlich stickstoffreichen Niedermooren kann zusätzlich Lachgas entweichen. Naturnahe oder renaturierte Moore setzten v.a. Methan frei. Trotz der hohen Klimawirksamkeit von Methan und Lachgas bildet CO2 den Hauptteil der aus Mooren freigesetzten Treibhausgase und ist das Hauptproblem bei der Moor- und Torfnutzung.

Weiterführende Informationen:

Moorschutz Deutschland und Bundesamt für Naturschutz

Moore in Schleswig-Holstein

Moore entwickeln sich dort, wo sich in flachen Senken mehr Wasser sammelt als abfließen oder verdunsten kann. Torf entsteht dadurch, daß Pflanzen- (und Tier-) reste sich unter Luftabschluß im Wasser nur unvollkommen zersetzen. Es entstehen Niedermoore. Setzt an deren Oberfläche das Wachstum von Torfmoosen ein, können sich Hochmoore bilden. Das Kapillarsystem der Torfmoose ist in der Lage, Wasser zu speichern. So können Moore, allein vom Niederschlag feucht gehalten, bis zu einer Mächtigkeit von zehn Metern über den Wasserspiegel anwachsen. Man spricht dann von Hochmooren. Die obersten Torfschichten in diesen wachsenden Mooren sind im spezifischen Gewicht und im Wassergehalt der Milch vergleichbar – und deswegen mit schwerem Gerät unwegsam. Daß man dennoch auf schwankendem Grund auf Torfen mit 95 Prozent Wassergehalt wandeln kann, ist dem Wurzel- und Rhizomgeflecht (Rhizom = Wurzelstock) der Pflanzen zu verdanken. Dadurch werden sie – im Gegensatz zur Milch – für Ortskundige gangbar.

Der NABU hat eine übersichtliche Infografik dazu!

Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein Quelle: NABU

Während Niedermoore mit dem nährstoffreichen Grundwasser in Kontakt stehen und daher naturgemäß artenreich sind, sind Hochmoore Mangel- und Extremstandorte, auf denen nur wenige Spezialisten, wie z.B. der Sonnentau, überleben können. Nachhaltige Veränderungen des Wasser- oder Nährstoffhaushaltes nehmen diesen Spezialisten ihren Konkurrenzvorteil, so dass sie von anderen Arten verdrängt werden können. Selbst nach einer Wiedervernässung ist eine erneute Etablierung der typischen Moorarten oftmals schwierig.

Mehr als ein Zehntel der Fläche des Landes zwischen den Meeren war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mit Mooren bedeckt. Grundwassergeprägte Niedermoore, ursprünglich etwa 130 000 Hektar, machten insgesamt acht Prozent der Landesfläche aus; der Anteil der nur unter Einfluß von Niederschlagswasser gebildeten Hochmoore ist demgegenüber mit ursprünglich rund 46.000 Hektar deutlich geringer.

Im Landesteil Schleswig blieb ein Fünftel der Landesfläche wirtschaftlich ungenutzt, in Holstein immerhin 14 Prozent. 1900 gab es nur noch 800 Quadratkilometer Moore. Das bedeutete, 3.000 Quadratkilometer ehemaliger Moorflächen waren schon in „Kulturland“ umgewandelt worden. Der Abbau und das Trockenlegen von Mooren hatte schon weitaus früher begonnen.

Seit der Mittelsteinzeit werden (vor allem Niedermoore) vom Menschen genutzt. Eher episodisch wurden zunächst die Gewässer für Fischfang und Jagd genutzt. Deutlich später, vor etwa 2.000 Jahren, begann zaghaft der Abbau von Brenntorf. Der Wasserhaushalt wurde vor allem seit dem 11. Jahrhundert durch die Anlage von Gräben und Deichen (Deichbau / Entwässerung) geprägt und verändert. In den Küstenüberflutungsmooren kam das Gewinnen von Salz durch das Verbrennen von Torfen dazu. Seit dem 17.Jahrhundert führten zunächst im Raum Friedrichstadt siedelnde Holländer mit Deichen und Schöpfmühlen neue und effektive Entwässerungstechniken ein, durch die zahlreiche Niedermoore und Seen in Köge überführt wurden, aus denen sich ertragreiche Wiesen und Weiden entwickeln konnten. Schließlich haben die Begradigung und der weitergehende Ausbau der Fließgewässer im 20.Jahrhundert die Entwässerung weiter Landstriche zügig vorangetrieben und damit die landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden in heutigem Umfang möglich gemacht.  

Die Niedermoore wurde als Weiden genutzt, die Hochmoore erst überwiegend abgetorft, um Brennstoff zu gewinnen, um danach landwirtschaftlich genutzt zu werden. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts dürfte die Mehrzahl der Hochmoore Schleswig-Holsteins durch bäuerlichen Torfstich stark verändert gewesen sein. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann Moore mithilfe von Dampfmaschinen und Tiefpflügen urbar gemacht und in Äcker oder Grünland überführt. In jüngerer Zeit erweist sich eine betriebswirtschaftlich rationelle und rationale Nutzung als zunehmend problematisch. Die entwässerten Torfe sacken und vernässen. Das erschwert es, die ehemaligen Moorflächen als Wiesen oder Weiden zu bewirtschaften. Moore sind von Natur aus nährstoffarme Biotope. Durch die höheren Einträge von Nährstoffen wirkt sich das Beackern solcher Flächen noch gravierender als die Nutzung als Grünland aus. Mit den Zielen der heute sogenannten nachhaltigen Wirtschaft ist das Pflügen von Moorflächen nicht mehr vereinbar. Zahlreiche ehemals genutzte Flächen veröden inzwischen, werden zur Brache. Sie sind damit wertlos geworden als Nutzflächen, entwertet für Ziele des Naturschutzes und einer zukunftsorientierten Landschaftsentwicklung.

Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein
Das Butschimoor in den Fröruper-Bergen in der Nähe von Flensburg

Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Idee, das Moore schützenswert sein könnten. Um 1930 nahmen sich die ersten Naturschützer im Lande der Moore als schützenswerte Landschaftsausschnitte und Lebensräume für eine spezifische Tier- und Pflanzenwelt an, und die ersten Naturschutzgebiete wurden ausgewiesen. Aber selbst in diesen Reservaten wurde, wie etwa im Tetenhusener Moor bei Meggerdorf, der inzwischen industrielle Torfabbau kaum wirksam eingeschränkt. Seit 1993 sind durch das Landesnaturschutzgesetz alle ungenutzten Moorflächen als Biotope geschützt. Keine dieser Flächen ist  im ursprünglichen Zustand eines wachsenden Moores. Vielmehr charakterisiert ein Mosaik aus Abbauflächen, Brachen, verheideten Stadien, schütterem Birkenwald und vernäßten Standorten die Norddeutschen Moorlandschaften des 21. Jahrhunderts: also vom Wirken des Menschen weitgehend überformte und veränderte Ökosystemkomplexe – eine industriezeitalterliche Collage einstiger Wildnis.

Wie schon beschrieben, hat der Abbau der Moore auch klimatische Folgen.   

Auch wenn sich der Anteil Schleswig-Holsteinischer Moore am weltweiten Geschehen eher bescheiden ausnehmen mag, so ist es dennoch sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen, Moore und Torflager zu erhalten. Selbst, wo der Zustand für die aktuelle Flora und Fauna in weitreichend zerstörten Moorresten desolat ist – eine fortschreitende Torfmineralisation schafft eine Fülle zusätzlicher und vermeidbarer Umweltprobleme durch die Freisetzung atmosphärenwirksamer Gase wie Kohlendioxid und Lachgas und durch die Abfuhr ehedem in Torfen gebundener Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor in das Oberflächen- und Grundwasser. Der einfachste Weg, Moore wieder zu Nährstoffsenken zu machen, ist es, ehemalige Moorstandorte wieder zu vernässen. Bis sie sich wieder zu Mooren entwickeln, dauert es jedoch sehr lange. Das Zerstören von Mooren geht etwa 150 Mal schneller, als deren natürlicher Aufbau dauert.

Die herkömmliche landwirtschaftliche Nutzung ist auf Moorstandorten vielfach auf Entwässerung angewiesen. Diese führt zu Torfzersetzung und -sackung von 1cm bei Grünlandnutzung bis 2cm bei Ackernutzung im Jahr. Die Folgen sind eine erschwerte Bodenbearbeitung, Nährstoffausträge in Grund- und Oberflächengewässer sowie klimaschädliche CO2-Emissionen. Vor allem der Ackerbau auf Moorstandorten stellt keine standortgerechte Nutzung dar.

Die Entwässerung hat aber noch andere Nachteile. Dadurch wird der Boden belüftet, so dass der Torf, der sich über lange Zeiträume gebildet hat, zersetzt wird. Die Folge ist, dass der Boden sackt und die Torfauflage immer geringer wird. Bei dieser Zersetzung werden Treibhausgase, vor allem CO2, freigesetzt und tragen entscheidend mit zum Klimawandel bei. In naturnahen nassen Mooren entsteht zwar durch den Luftabschluss auch das klimarelevante Gas Methan, aber dieses ist das Ergebnis natürlicher Umsetzungsprozesse und hält sich mit der Festlegung von Kohlenstoff im nassen Torf die Waage – wachsende, nasse Moore sind somit klimaneutral.

Das Moor: Welche Bedeutung hat das Moor für unser Klima? Klimawandel & Klimaschutz: Moore in Schleswig-Holstein

Zusammenfassung: Das Moor und seine Bedeutung für den Klimawandel

“Als intaktes Ökosystem stellen Moore eine Senke für Kohlenstoff dar und speichern diesen über lange Zeiträume in erheblichen Mengen. Andererseits tragen entwässerte Moore in erheblichem Umfang zum Klimawandel bei. Weltweit werden die Treibhausgas-Emissionen auf 3 Gigatonnen CO2eq pro Jahr geschätzt. Europa ist mit 80-130 Megatonnen (Mt) und Deutschland mit 30-40 Mt beteiligt. Europa gehört damit nach Indonesien zu den wichtigsten Hotspots für Treibhausgas-Emissionen. Von den rund 145.000 ha Moor in Schleswig-Holstein sind mehr als 100.000 ha entwässert und meist landwirtschaftlich genutzt. Insgesamt emittieren die entwässerten Moore in Schleswig-Holstein etwa 2,3 Mt CO2eq pro Jahr. Dies entspricht 9 % aller klimawirksamen Emissionen unseres Bundeslandes. Intakte Moore erfüllen auch eine wichtige Funktion für das Lokalklima. Ihre kühlende Wirkung in der Landschaft wird im Zuge des Klimawandels immer wichtiger werden.”

Quelle und tolle kostenlose Broschüre: Moore in Schleswig-Holstein: Multitalente der Landschaft
Man kann also festhalten: Intakte Moore bieten 5 wichtige Ökosystemdienstleistungen
  • Lebensraum vieler spezialisierter Arten (Biodiversitätsschutz)
  • Wichtiger Langzeit-Kohlenstoffspeicher (in Form von Torf)
  • Speicher und Filter des Wasserhaushaltes (z.B. Hochwasserschutz)
  • Kühlende Wirkung auf lokales und regionales Klima
  • Funktion als Erholungs- und Erlebnisraum
Die Autorin liebt ihr Zuhause im Norden, die Natur, gutes Essen und bleibt neugierig!
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