Unser Wattenmeer: Infos zur Entstehung, zum Ökosystem und zum Weltnaturerbe

Auf der Suche nach den wichtigsten Infos zu unserem Wattenmeer? Dann bist du hier genau richtig! Das Wattenmeer, seit 2009 in der UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben, ist ein Hotspot für Biodiversität und Zeugnis geologischer Prozesse und ständiger Erneuerung und Wandlung durch die Gezeiten. Lass dich von seiner Einzigartigkeit beeindrucken – Es ist einer der imposantesten Gründe für ein nachhaltigeres Leben im Norden!

In diesem Beitrag findest du Wattenmeer-Infos zu:

Tipp: Im Abschnitt “Weltnaturerbe” gibt es tolle (kostenlose!) Infografiken vom WWF und Nationalpark Wattenmeer!

Ökosystem Wattenmeer

Das größte Wattgebiet der Welt

Überall auf der Welt gibt es Wattflächen, vor allen Dingen dort, wo vorgelagerte Inseln, Sandbänke und flach auslaufender Meeresboden die Kraft von Wellen und Strömung bremsen. Das Wattenmeer an der Nordseeküste von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark ist das größte zusammenhängende Wattgebiet auf der Erde und lebenswichtig für viele Tier- und Pflanzenarten.

Unser Wattenmeer: Infos zur Entstehung, zum Ökosystem und zum Weltnaturerbe

Das Wattenmeer umfasst verschiedene Lebensräume wie Watt, Priele, Sandbänke, Salzwiesen und Dünen. Das eigentliche Watt sind die Flächen, die im Rhythmus der Gezeiten abwechselnd trockenfallen und wieder überflutet werden. Es nimmt zwei Drittel des gesamten Wattenmeeres ein. Hier sinkt vom Meer und aus den Flüssen herangetragener Sand und Schlick zu Boden. Schwere Bestandteile setzen sich bereits in bewegtem Wasser ab, es entsteht Sandwatt. Wo das Wasser ruhiger und flacher ist, bildet sich das Mischwatt mit Sand, Ton und organischen Bestandteilen. Direkt vor den Deichen und in Buchten bildet sich feines Schlickwatt mit einem hohen Anteil organischer Substanz. Die große graubraune Weite, die sich bei ablaufendem Wasser zeigt, ist jedoch keine „Schlickwüste“.

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Eine Wüste voller Leben!
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Tier- und Pflanzenarten

Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten, 10 bis 12 Millionen durchziehende Zugvögel pro Jahr, die größte zusammenhängende Schlick- und Sandwattfläche weltweit – das Wattenmeer ist ein Ort voller Extreme und von besonderer Bedeutung für die weltweite Biodiversität (Artenreichtum). Schnecken und Würmer finden hier gute Nahrungsbedingungen und besiedeln den Meeresboden zu Tausenden.

Bei Hochwasser nutzen dieses Nahrungsangebot Fische und Krebse, bei Niedrigwasser suchen zahlreiche Vögel auf den trocken gefallenen Flächen ihr Futter. Für viele Vogelarten sind diese Zonen lebensnotwendige Rastplätze während des Vogelzugs, andere nutzen die angrenzenden Küstenflächen als Brutplatz.

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Ebbe und Flut - Die Gezeiten

Ebbe und Flut bestimmen den Rhythmus des Wattenmeeres und der gesamten Küstenregion. Die Gezeiten entstehen durch die Anziehungskraft des Mondes auf die Erde.

Im Takt des Mondes

Vereinfacht dargestellt sorgt auf der mondzugewandten Seite der Erde die Anziehungskraft des Mondes für einen ersten Flutberg. Da die Stärke der Anziehungskraft mit größerem Abstand abnimmt, wirkt sie auf der gegenüberliegenden Seite der Erde weniger stark auf das Wasser, so dass es als zweiter Flutberg stehen bleibt, während die Erde in Richtung Mond angezogen wird. Auf den Ozeanen beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser (Tidenhub) nicht mal einen Meter. Erst Staueffekte an den Küsten bewirken größere Tidenhube. Die Erde dreht sich unter den beiden Flutbergen hindurch. Die Länge des Mondtages auf der Erde (24 Stunden 50 Minuten) bestimmt dabei den zeitlichen Ablauf der Gezeiten. Von einem Hochwasser zum nächsten dauert es deshalb etwa 12 Stunden und 25 Minuten und ebenso lange von Niedrigwasser zu Niedrigwasser.

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Die Kraft der Sonne

Die Höhe des auflaufenden Wassers ist jeden Tag anders. Sie ist abhängig vom Stand des Mondes zur Erde und Sonne, deren Anziehungskraft ebenfalls auf die Erde wirkt, und außerdem vom Wind. Stehen Sonne, Erde und Mond in einer Linie, addieren sich ihre Kräfte – dies ist regelmäßig bei Voll- und bei Neumond der Fall – läuft die Flut etwas höher als normal auf. Man spricht dann von Springtide. Bei Halbmond stehen Sonne und Mond im rechten Winkel und ihre Kräfte wirken gegeneinander. Die Flut läuft niedriger auf und wird Nipptide genannt.

Alltägliche Auswirkungen

Auch die Freizeitangebote im Wattenmeer sind vom Rhythmus der Gezeiten abhängig. Immer wieder kommt es vor, dass Tide und Wind die Fahrpläne der Fähren und Ausflugsschiffe beeinflussen. Und wenn du baden oder ins Watt gehen möchten, musst du unbedingt die örtlichen Hoch- und Niedrigwasserzeiten kennen.

Weltnaturerbe Wattenmeer

Das transnationale Weltnaturerbe verbindet zugleich die drei Staaten Deutschland, Dänemark und die Niederlande und ist somit Ausdruck langjähriger erfolgreicher internationaler Kooperation zum Schutz dieses einzigartigen Naturerbes.

Unser Wattenmeer: Infos zur Entstehung, zum Ökosystem und zum Weltnaturerbe: Wattenmeer Karte vom WWF
Grafikquelle: WWF

2009 wurde das Wattenmeer in die Welterbeliste der UNESCO eingeschrieben, eine Erweiterung um das Hamburgische Wattenmeer folgte im Jahr 2011 und um den dänischen Teil der Stätte im Jahr 2014.

Die Beschaffenheit des Wattenmeeres

Die Welterbestätte Wattenmeer erstreckt sich über eine 1.100 km² große Fläche und umfasst eine Vielzahl von Übergangszonen zwischen Land, Meer und Süßwasserumgebungen: Sand- und Schlickwatt, Muschelbänke, dichte Seegraswiesen, Salzwiesen, Sandstrände und Dünen. 

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km² ist das Wattenmeer groß

Die Region stellt ein außergewöhnliches Beispiel eines komplexen und vielseitigen, vom ständigen Gezeitenwechsel bestimmten Küstengebiets dar. Dynamische natürliche Prozesse formen die sich kontinuierlich verändernde Landschaft in dem Gebiet, welches mit nur 10.000 Jahren aus geologischer Sicht als jung angesehen wird. 

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Jahre ist das Wattenmeer jung

Die geologischen und geomorphologischen Eigenschaften des Wattenmeers in der Verbindung mit biophysikalischen Prozessen veranschaulichen in einzigartiger Weise die kontinuierlichen Anpassungsprozesse von Küstengebieten an globale Veränderungen. Die sehr hohe Produktivität des Wattenmeers in Bezug auf Biomasse drückt sich in der großen Anzahl an Fischen, Schalentieren und Vögeln aus, die im und vom Wattenmeer leben.

Artenreichtum im Wattenmeer

Das Wattenmeer zeichnet sich durch ein sehr hohes Maß an Artenreichtum aus: 2.300 Pflanzen- und Tierarten leben in und von den Salzwiesen. Die marinen und brackwasserhaltigen Zonen beherbergen circa 2.700 weitere Arten. Zu den im Wattenmeer lebenden Säugetieren zählen Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Im Schlick tummeln sich Muscheln und Krebse, Faden- und Strudelwürmer, darüber hinaus ist das Watt Laichplatz von zahlreichen Meeresfischen wie Scholle und Seezunge.

Auf der Seite des WWF gibt es übrigens tolles kostenloses Info-Material zum Wattenmeer! Alles als PDF und zum Ausdrucken. Beispielsweise:

Unser Wattenmeer: Infos zur Entstehung, zum Ökosystem und zum Weltnaturerbe: Tiere im Wattenmeer Poster WWF
Grafikquelle: WWF

(Zug)Vögel im Nationalpark Wattenmeer

Das große Nahrungsangebot macht das Wattenmeer unentbehrlich als Zwischenstopp für Zugvögel. Auf dem ostatlantischen Flugweg gelegen ist das Wattenmeer eines der weltweit wichtigsten Gebiete für Zugvögel und in ein Netzwerk anderer, für Zugvögel bedeutender Gebiete eingebunden. Es dient als Rast-, Mauser- und Überwinterungsgebiet für Vögel auf ihrem Weg von Südafrika entlang der Atlantikküste nach Nordsibirien. Das Gebiet beherbergt bis zu 6,1 Millionen Vögel gleichzeitig. Somit ist das Wattenmeer für den weltweiten Artenreichtum von entscheidender Bedeutung.

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durchziehende Zugvögel pro Jahr

Und dieses schöne Poster “Vögel im Nationalpark” gibt es als PDF auf der Seite des Nationalpark Wattenmeer:

Unser Wattenmeer: Infos zur Entstehung, zum Ökosystem und zum Weltnaturerbe: Vögel im Wattenmeer Poster Nationalpark Wattenmeer
Grafikquelle: Nationalpark Wattenmeer

Trilaterale Wattenmeerkooperation

Die Anerkennung als Erbe der Menschheit ist auch möglich geworden auf Grund der bereits seit 1978 andauernden erfolgreichen Zusammenarbeit der drei beteiligten Staaten im Rahmen der Trilateralen Wattenmeerkooperation. Der Schutz und Erhalt dieses einzigartigen Naturgebiets konnte und kann nur durch die Zusammenarbeit der Staaten und einer Vielzahl von Akteuren gelingen. Die Einzigartigkeit des Wattenmeeres wird auch durch die Unberührtheit großflächiger Gebiete bedingt.

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Druck und Veränderung

Zugleich ist die Welterbestätte jedoch auch in unterschiedlicher Hinsicht Druck und Veränderungen ausgesetzt, sei es durch Klimawandel, Tourismus, wirtschaftliche Nutzung der Umgebungen oder andere Aktivitäten und Entwicklungen. Bewusstseinsschaffung für den Wert und das Schutzbedürfnis des Wattenmeeres sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung sind deshalb besonders wichtig für den langfristigen Erhalt des Nationalparks. 

Eine Vielzahl an Akteuren, unter anderem des Nationalparks Wattenmeer und der drei UNESCO-Biosphärenreservate Hamburgisches Wattenmeer, Niedersächsisches Wattenmeer und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen, setzt sich für Welterbevermittlung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Naturschutz ein.

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Wadden Sea Flyway Initiative

Das Wattenmeer stellt kein abgeschlossenes Gebiet dar. Insbesondere durch seine Bedeutung für Zugvögel steht es in enger Verbindung mit anderen Naturgebieten. Angesichts der Tatsache, dass der Bestand der wandernden Vögel nur in Zusammenarbeit über die verschiedenen Regionen hinweg geschützt werden kann, kooperiert die Welterbestätte im Rahmen der Wadden Sea Flyway Initiative mit Ländern entlang des ostatlantischen Flugweges. Internationale Partnerschaften bestehen darüber hinaus unter anderem mit Südkorea und dem Nationalpark Banc d’Arguin in Mauritanien, ebenfalls eine Welterbestätte. Darüber hinaus engagiert sich die Welterbestätte im Zusammenschluss der marinen Welterbestätten, der sich unter anderem mit den Auswirkungen des Klimawandels und der Verschmutzung der Meere auseinandersetzt.

Unser Wattenmeer: Infos zur Entstehung, zum Ökosystem und zum Weltnaturerbe: Zugvögel: Der Ostatlantische Zugweg
Grafikquelle: WWF

Noch mehr Infomaterial vom WWF gibt’s hier!

Geschlossene und offene Lücken

Das Land Hamburg war aus Sorge um seine Elbvertiefungswüsche 2009 nicht mit dabei, ließ seinen Nationalpark Wattenmeer aber 2011 als Welterbe nachmelden. Dänemark war zunächst ebenfalls zögerlich, zog aber 2014 nach. Als unerfreuliche Lücken bleiben drei geplante Bohrlöcher der RWE-DEA: für eine mögliche künftige Erdölförderung wurden im Umfeld der Elbmündung drei Stücke aus dem Welterbegebiet geschnitten – ein von der UNESCO akzeptierter Trick, um das Welterbe frei von Bohrinseln zu halten. Hier muss der Naturschutz leider weiter kämpfen.

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Ausflugstipp Wattenmeer und Wattwanderung

Anschauliche Informationen über das Thema Leben und Fauna Wattenmeer bekommst du im Wattforum in Tönning und den Stationen der Schutzstation Wattenmeer, z.B. im Nationalparkhaus Husum Hafenstraße 3.

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Die Autorin liebt ihr Zuhause im Norden, die Natur, gutes Essen und bleibt neugierig!
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